Außergerichtliches Inkasso in UK
- Was ist außergerichtliches Inkasso in UK?
- Wann findet die außergerichtliche Inkasso-Phase statt?
- Welche Schritte gehören typischerweise zum außergerichtlichen Inkasso-Prozess?
- Wie hängt die außergerichtliche Phase mit dem Pre-Action Protocol zusammen?
- Welche Rolle können Inkassounternehmen im britischen Forderungsprozess spielen?
- Wie können offene Forderungen in der außergerichtlichen Phase gelöst werden?
Was ist außergerichtliches Inkasso in UK?
Außergerichtliches Inkasso beschreibt den Prozess der Forderungsdurchsetzung vor einem Gerichtsverfahren. Es handelt sich um die erste Phase der Schuldbeitreibung und findet außerhalb des formellen Gerichtssystems statt.
Im Vereinigten Königreich gehört diese Phase zum normalen Ablauf im Zivilrecht, wenn Rechnungen oder andere Geldforderungen nicht bezahlt wurden. Ein Gläubiger versucht zunächst, die Angelegenheit direkt mit dem Schuldner zu klären. Die Kommunikation erfolgt meist über schriftliche Erinnerungen, Zahlungsaufforderungen oder formelle Schreiben.
Das Ziel dieser Phase ist es, eine offene Forderung zu klären, ohne ein Gerichtsverfahren einzuleiten. Zu diesem Zeitpunkt gibt es noch kein Gerichtsurteil und keine gerichtlichen Vollstreckungsmaßnahmen.
Außergerichtliches Inkasso unterscheidet sich daher klar von gerichtlichen Verfahren wie einer County Court Claim, einem County Court Judgment (CCJ) oder späteren Vollstreckungsmaßnahmen. Diese Schritte gehören zur gerichtlichen Phase des Forderungsprozesses und treten erst auf, wenn ein Fall vor Gericht gebracht wird.
Stattdessen konzentriert sich die außergerichtliche Phase auf Kommunikation zwischen den Parteien und auf strukturierte Schritte, die zu einer Zahlung oder einer anderen Lösung führen können, bevor ein gerichtliches Verfahren beginnt.
Im britischen Rechtssystem steht diese Phase auch im Zusammenhang mit den Pre-Action Protocols der Civil Procedure Rules. Diese Regeln legen fest, wie Parteien Informationen austauschen und versuchen sollen, Streitigkeiten zu klären, bevor ein Gerichtsverfahren eingeleitet wird.
Wann findet die außergerichtliche Inkasso-Phase statt?
Die außergerichtliche Phase beginnt nachdem eine Zahlung fällig geworden ist, aber bevor ein Gerichtsverfahren eingeleitet wird.
Zu diesem Zeitpunkt steht fest, dass eine Forderung offen ist. Statt sofort eine Klage einzureichen, durchläuft die Forderung in der Regel zunächst einen strukturierten vorgerichtlichen Prozess.
Diese Phase liegt zwischen zwei klaren Punkten im rechtlichen Ablauf:
dem Zeitpunkt, an dem eine Forderung überfällig wird, und
dem Zeitpunkt, an dem eine Klage bei Gericht eingereicht wird.
Wenn der Fall über diese Phase hinausgeht, kann er in ein County Court Claim übergehen. Damit beginnt das formelle Klageverfahren in England und Wales. In anderen Fällen – etwa wenn eine Überschuldung eine Rolle spielt – kann sich der Prozess in Richtung Insolvenzverfahren entwickeln, zum Beispiel in Form von Bankruptcy oder Winding-up.
Die außergerichtliche Phase bildet damit den Übergang zwischen einer offenen Forderung und einem möglichen Gerichtsverfahren. Sie schafft Raum, um die Angelegenheit zu klären, bevor ein Fall vor Gericht gebracht wird.
Welche Schritte gehören typischerweise zum außergerichtlichen Inkasso-Prozess?
Der außergerichtliche Forderungseinzug im Vereinigten Königreich folgt meist mehreren strukturierten Schritten. Diese Schritte bilden eine klare Reihenfolge, bevor ein gerichtliches Verfahren beginnt.
1. Zahlungserinnerung oder Zahlungsaufforderung
Der Prozess beginnt häufig mit einer Zahlungserinnerung. Dieses Schreiben informiert den Schuldner darüber, dass eine Rechnung überfällig ist und bittet um Zahlung innerhalb einer bestimmten Frist.
Bleibt die Zahlung weiterhin aus, kann anschließend eine formelle Zahlungsaufforderung folgen. In diesem Schreiben wird der offene Betrag erneut genannt und der Schuldner wird aufgefordert, innerhalb einer bestimmten Frist zu reagieren oder zu zahlen.
2. Letter Before Claim
Ein zentraler Schritt im britischen Inkassoprozess ist der Letter Before Claim (auch Letter Before Action genannt). Dieses Dokument gehört zum Pre-Action Protocol der Civil Procedure Rules.
Das Schreiben beschreibt die Forderung detaillierter. Es enthält in der Regel:
den offenen Betrag
die Grundlage der Forderung
relevante Unterlagen oder Informationen
eine Frist, innerhalb der der Schuldner reagieren soll
Der Letter Before Claim stellt in vielen Fällen den letzten Schritt dar, bevor ein Gläubiger eine Klage bei Gericht einreichen kann.
3. Einschaltung eines Inkassounternehmens
In manchen Fällen beauftragt ein Gläubiger ein Inkassounternehmen (Debt Collection Agency, DCA). Dieses übernimmt die Kommunikation mit dem Schuldner und versucht, die offene Forderung einzuziehen.
Ein Inkassounternehmen kann zum Beispiel:
den Schuldner kontaktieren
Zahlungserinnerungen oder Schreiben versenden
die Kommunikation über die Forderung übernehmen
Inkassounternehmen unterliegen im Vereinigten Königreich einer Regulierung durch die Financial Conduct Authority (FCA).
4. Verhandlungen oder Zahlungsvereinbarungen
Während der außergerichtlichen Phase können die Parteien auch über Lösungen für die offene Forderung sprechen. Dazu gehören zum Beispiel Zahlungsvereinbarungen oder andere Formen der Einigung.
Diese Gespräche finden statt, bevor eine Klage eingereicht wird, und gehören weiterhin zur vorgerichtlichen Phase des Forderungsprozesses.
Wie hängt die außergerichtliche Phase mit dem Pre-Action Protocol zusammen?
Die außergerichtliche Phase steht in engem Zusammenhang mit den Pre-Action Protocols der Civil Procedure Rules (CPR).
Diese Protokolle enthalten Leitlinien dafür, wie Streitigkeiten vor Einleitung eines Gerichtsverfahrens behandelt werden sollen. Sie sollen sicherstellen, dass beide Parteien Informationen austauschen und die Grundlage des Anspruchs verstehen, bevor eine Klage erhoben wird.
Bei Forderungsstreitigkeiten beschreibt das Protokoll, wie ein Gläubiger die Forderung darlegen muss und welche Informationen dem Schuldner zur Verfügung gestellt werden sollen. Es legt außerdem fest, wie der Schuldner auf diese Informationen reagieren kann.
Ein zentrales Dokument in diesem Zusammenhang ist der Letter Before Claim. Dieses Schreiben informiert den Schuldner formell über die Forderung und bildet einen wichtigen Bestandteil des strukturierten Vorverfahrens.
Das Pre-Action Protocol verbindet damit die Kommunikation über eine offene Forderung mit einem möglichen späteren Gerichtsverfahren.
Welche Rolle können Inkassounternehmen im britischen Forderungsprozess spielen?
Inkassounternehmen können während der außergerichtlichen Phase eine Rolle im Forderungsprozess übernehmen. Sie handeln im Auftrag eines Gläubigers und übernehmen die Kommunikation mit dem Schuldner.
Zu ihren Aufgaben können gehören:
Kontaktaufnahme mit dem Schuldner wegen der offenen Forderung
Versand von Erinnerungen oder Zahlungsaufforderungen
Verwaltung der Kommunikation rund um die Forderung
Im Vereinigten Königreich unterliegen Inkassounternehmen der Aufsicht durch die Financial Conduct Authority (FCA). Sie müssen bestimmte Regeln einhalten, die einen fairen Umgang mit Schuldnern sicherstellen sollen.
Diese Regeln finden sich unter anderem im Consumer Credit Sourcebook (CONC) sowie in weiteren regulatorischen Vorgaben der FCA.
Innerhalb des Forderungsprozesses arbeiten Inkassounternehmen vor Einleitung eines Gerichtsverfahrens. Ihre Tätigkeit gehört daher zur außergerichtlichen Phase.
Wie können offene Forderungen in der außergerichtlichen Phase gelöst werden?
Während der vorgerichtlichen Phase können verschiedene strukturierte Lösungen für eine offene Forderung entstehen.
Eine Möglichkeit ist eine Ratenzahlungsvereinbarung. Dabei verpflichtet sich der Schuldner, den offenen Betrag in mehreren Teilzahlungen über einen festgelegten Zeitraum zu begleichen.
Eine weitere Möglichkeit ist eine Verhandlungslösung. Die Parteien können sich auf eine angepasste Zahlungsstruktur oder eine andere Form der Begleichung der Forderung einigen.
Auch Rückzahlungspläne gehören zu dieser Phase. Sie legen fest, in welchen Beträgen und zu welchen Zeitpunkten Zahlungen erfolgen sollen.
All diese Lösungen finden innerhalb der außergerichtlichen Phase des Forderungsprozesses statt. Sie werden vereinbart, bevor eine Klage vor Gericht eingereicht oder eine gerichtliche Vollstreckung eingeleitet wird.